Wir sind dann mal weg

Aktualisiert: 20. Okt 2019

Liebe Renate,


Der Umzug ist geschafft. Mit drei Kindern, elf Koffern und eine Ladung Luftfracht sind wir auf den Weg in den Mittleren Westen der USA. Wir sind eine sogenannte Expatriatefamilie oder auch kurz Expats. Das heißt, das mein Mann für seine Firma als ausgesandter, in den Staaten seine Arbeit nachgehen wird. Wir planen für zwei Jahre hier zu bleiben, allerdings sollten wir flexibel sein. Ich kenne Expats die für drei Jahre ausgesendet werden und nach einem Jahr wieder im Heimatland sind, dann wiederum gibt es welche die für zwei Jahre ausgesendet werden und nach sieben Jahren immer noch im Ausland sind.

Mir wurden von anderen Expatmüttern immer wieder gesagt: "Sei gnädig mit dir, die Phase des Ausreisens in Deutschland und die Zeit des Einlebens in den USA, ist eine harte Zeit. Nichts ist normal."

Solche Momente hatte ich immer wieder mal wo ich durch Kleinigkeiten gereizt wurde und dachte ich bekomme nichts auf die Reihe. Das einzige was ich gesehen habe war die To-Do Liste die ich mir aufgehängt habe, mit ganz viel drauf und ganz wenig durchgestrichen. An einem solcher Tage schreibe ich meiner Freundin, die schon zwei Expateinsätze hinter sich hat. "Ich schaffe das alles nicht." Sie meint in aller Ruhe: "nimm deine Kinder und geh ein Eis essen oder lies ihnen ein Buch vor. Hol dir einen Kaffee und triff dich mit deiner Freundin, tu dir und deiner Familie was gutes in dem Zustand bekommst du sowieso nichts hin." Wir gehen auf den Spielplatz, auf dem Weg dorthin kommt mein Mann von der Arbeit nachhause, er erkennt die Situation und kommt mit. Die Anspannung lässt langsam nach, wir treffen Freunde und bleiben bis unsere kleine uns erinnert das Abendbrotzeit ist. Zuhause bin ich überrascht was diese kleine Auszeit mit mir gemacht hat.

"Mama, wann fliegen wir nach Amerika?" Die Frage stellte unser großer. Stimmt, da war was. Ich wollte einen Kalender mit den Kindern machen. Pinterest hat so richtig schöne Ideen, die Realität sieht anders aus. Ich geh und hole einen Stapel Post-its, das muss heute reichen und es reicht auch. Sie freuen sich über ihren persönlichen Countdown und freuen sich jeden Abend einen Zettel abzureissen.

Zwei Tage nach unserer Ankunft in den Staaten, hatte unser grosser Geburtstag. Wir machten uns Gedanken wie wir den Tag möglichst schön gestalten könnten. Am Ende muss ich sagen, hatte er den schönsten Tag von allen gehabt. Die schönsten Dinge kann man am Ende doch nicht planen. Wir wurden von guten Bekannten eingeladen, die nicht nur einen Kuchen gebacken, sondern dekoriert und ein Geschenk gekauft hatten. Mein Mamaherz war gerührt, wir haben die Familie erst einmal vorher gesehen. Wir bekommen leckeren Kaffee, einen heimischen Kuchen und ganz viel Gastgeberliebe und unsere Kinder neue Legofreunde.

Die Woche ist gefüllt von Terminen bei der Bank, Schule und dem großen Schwedeneinkaufshaus, bis wir endlich in unserem Haus einziehen können.

Hier ist vieles anders, unter anderem ist es nichts ungewöhnliches seine Möbel am Sonntagmorgen geliefert zu bekommen.

Die Kinder freuen sich über die großen Kartons. Seit einer Woche steht in unserem Wohnzimmer ein Schloss und nach ihren Spielsachen fragen sie nicht, die kommen in ein paar Wochen mit der Luftfracht.

Unsere Nachbarn kommen aus der ganzen Welt. Direkt neben uns wohnt eine Familie aus Mittelamerika. Ihre Kinder sind so alt wie unsere und haben sich schnell angefreundet.

Aber ich muss schon sagen, so ein Schloss im Haus überzeugt sechsjährige sehr schnell.

Das Wetter war die Woche sehr schön, uns wird gesagt das der Herbst in Michigan eine der schöneren Jahreszeiten ist. Das Wetter ist lange sehr mild. Wir entdecken unsere Gegend und freuen uns über unseren See um die Ecke.

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