Schule 2.0


Wir hatten die Wahl entweder unsere Kinder 100% Online unterrichten zu lassen oder mit dem Hybridmodel zu fahren. Das wäre zwei Tage in der Schule und dann weitere zwei Tage Online Unterricht. Damit bietet unser Bezirk eine Option mehr an als die Bezirke um uns herum, die haben sich auf 100% Online Unterricht ausgerichtet. Für uns kamen beide Optionen aus mehreren Gründen nicht in Frage.


Damit blieb uns noch die Möglichkeit die Kinder selber zu hause zu unterrichten.

Zusammen mit dem Material der Deutschen Fernschule in Wetzlar, und einer Homeschoolschule vor Ort stellte ich einen Lehrplan für das nächste halbe Jahr zusammen. Der Lehrplan orientiert sich am Bildungsplan von Baden- Württemberg. Praktisch sieht das so aus, das unsere Kinder von Montag bis Donnerstag zuhause in Deutsch, Mathematik, Sachkunde und Musik unterrichtet werden. Englisch und Handwerken haben sie in der Homeschoolschule belegt, die jeden Freitag stattfindet.

Nach neun Wochen will die örtliche Schule ihre Version von Unterricht wieder neu auswerten und neu entscheiden wie sie weiter machen wollen. Wir warten hier ab. Bis dahin gehen unsere Kinder bei uns auf dem Sofa zur Schule oder auch am Küchentisch, je nach Arbeitsumstand. Bis jetzt geht es gut. Ich habe gemerkt das ihnen das selbstständige Lernen mittlerweile gut von der Hand geht.

Wir sind mit unsere Entscheidung auch nicht alleine. Die Homeschool Gemeinschaft hat sich seit dem Ausbruch der Covid Pandemie um einiges Vergrößert. Die Unterschiede sind verschieden, warum die einzelnen Familien die Kinder aus der Schule nehmen, die Konsequenz ist die gleiche.

Durch die große Homeschoolgemeinschaft ist es uns leicht gefallen andere Familien zum spielen und Austauschen zu finden. Die Unterstützung die wir als Familie bekommen ist groß.

Es ist es auch eine sehr umstrittene Form von Ausbildung und die Geister scheiden sich bei dem Thema. Uns ist das durchaus bewusst, allerdings wissen wir auch, das es die beste Entscheidung für unsere Familie ist.

Ich hatte eine schöne Begegnung zum Thema Schule in der Nachbarschaft.

An dem Abend, an dem wir Eltern unsere Entscheidung an den Bezirk schicken mussten, sah ich bei uns in der Strasse einzelne Gruppen von Eltern die sich immer wieder für ein kurzes Gespräch sammelten. Das Thema war offensichtlich: "Hybrid, Online oder Homeschooling?"

Während ich mich am Spätnachmittag einer Gruppe Mütter dazugesellte, ereignete sich folgendes.

Miss B. erzählt: "Mein kleiner und eine Maske in der Schule? Der kann das nicht mal 10 min im Laden, wie soll er da 6h eine Maske tragen, sie nicht anfassen und damit nicht rumspielen? Wir haben die Onlinevariante genommen, alles andere passt bei uns nicht."

Von der Gruppe kam ein unterstützendes Nicken.

Neben mir wird eine Stimme laut und Frau G. meint: "Meine Teenys den ganzen Tag zuhause, die ganze Zeit von dem PC? Ich habe sie direkt in der Schule angemeldet, ich will das sie wenigstens einen Teil der Zeit aus dem Haus sind und das mit der Maske haben sich verstanden, hoffe ich zumindest." Wieder ein kollektives Nicken.

So geht die Runde durch, jeder erzählt wie sie sich als Familie entschieden haben und weshalb. Jeder hat einen anderen Grund, jeder will das Beste für seine Familie. Bei jedem sieht das anders aus. Ich merke wie sich ihre erwartungsvollen Blicke auf mich richten.

"Wir haben sie abgemeldet." Fange ich an: "Für uns sind die Optionen nicht ausreichend. Wir haben ein Kind das von den Lippen abliest. Es ist schwer für sie, wenn sie Kinder um sich herum hat die eine Maske tragen. Die Aufgaben via Zoom zu machen, das können wir uns als Eltern nicht vorstellen. Das amerikanische Schulsystem rechnet und liest ja ganz anders, in vielem könnten wir ihnen gar nicht helfen, dazu sind wir noch nicht lange genug im Land."

Ich sehe eine Gruppe lächelnder Mamas, die mir ermutigend zunickt.


111 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Sommerende

Rückblick.

Abonniere meine Updates

© 2023 by Lovely Little Things. Proudly created with Wix.com