Andere Länder, andere Sitten

Liebe Larissa,


wir haben letzte Woche Halloween gefeiert. Ein mir unbekanntes Fest. In Deutschland haben wir das, als Familie, noch nie erlebt und waren deshalb gespannt wie das hier umgesetzt wird, angefangen bei der Dekoration. Während unsere Nachbarhäuser fleissig Kürbis bemalten und Spinnweben vor die Häuser hängten, diskutierten wir noch. Ich wollte wissen wie die Kinder dekorieren wollten und wir wurden uns nicht einig. Ich mag kein Grusel und Horror. Die Kinder finden das lustig, versteh ich nicht, aber das wird wohl in der Schule so vermittelt. "Grusel macht Spaß, Mama." Durfte ich immer wieder hören. Ja, ne bei mir nicht. Auf die Kürbisse konnte ich mich einlassen. Dank Youtube, hilfsbereiten Nachbarn und einer Anleitung im Messerset haben wir das Kürbischnitzen gemeistert. Es ist wesentlich leichter als ich mir vorgestellt hatte.

Resteverwertung. Suppe geht immer.


Der Halloween Tag lief bei uns wie folgt ab. Die Kinder dürfen am Morgen mit Verkleidung in die Schule gehen. Wir Eltern werden eingeladen bei der sogenannten Halloween Parade dabei zu sein. In dieser einen Stunde, laufen alle Grundschulkinder in einer Polonaise durch das Schulhaus und durch die Turnhalle. Wir Eltern stehen am Rand und freuen uns mit ihnen. Dann wurden die Eltern wieder Nachhause geschickt, die Kinder sind zurück in ihre Klassenzimmer gegangen, die armen, die hatten tatsächlich noch Unterricht. Am Nachmittag hatten sie eine kleine Party.



Nach der Schule, warten alle auf 18 Uhr, denn dann geht das offiziell "Trick or Treat" los. Die Regeln sind sehr einfach. An den Häusern in denen Licht brennt darf man klingeln und nach Süßigkeiten fragen. Die Häuser die kein Licht anhaben an denen geht man höflich vorbei. Mein Mann ist mit unserem Batman und unserer Pocahontas losgezogen, ich blieb mit unserer kleinen Maus im Haus und wartete auf den Ansturm.

Ich habe im Leben keine so braven Supermanns und Transformers gesehen, da halte ich ihnen einen Schüssel mit Süßigkeiten hin und was machen die Kinder? Die nehmen eins. EINS. Auf die Ansage "You can take more" bekomme ich nur unverständige Blicke. Mein Mann meinte auch, die Kinder nehmen nur eins weil es als unhöflich gilt mehr zu nehmen, selbst bei Aufforderung. Mit einem Blick auf meine Schüssel mit Süßigkeiten meinte er nur: "Das ist Zuviel." Ich finde es kommt immer darauf an wie man die Dinge sieht. Ich fand nicht das ich Zuviel hatte, mein Eindruck war einfach nur das sie Zuwenig bekommen. Nach dem ich den Dreh raushatte, bekamen die Mini- Harry Potter und Mini- Ninjas einfach alle eine Handvoll Süßes. Mensch waren die glücklich, verkleiden und dann noch Süßes bekommen.

Der ganze Spaß geht bis maximal 20 Uhr. Bei uns hatte es den ganzen Nachmittag und Abend geregnet und die Temperaturen waren eisig, der Spaß war schnell vorbei.

Wenn ich einen Vergleich zu den Festen in Deutschland machen will, dann finde ich ist das Fest ähnlich dem Fasching. Allerdings weniger aufwendig und wesentlich kürzer. Kaum ein Kind war bemalt oder geschminkt und ich habe auch kaum Hexen, Zauberer oder Vampire gesehn. Ich empfinde Fasching in Deutschland wesentlich düsterer.

Da ich Christin bin, wurde ich auch gefragt, wie ich das Fest nur feiern kann, da es so düster und angstvoll ist. Die Frage ist nicht ganz unbegründet, das gebe ich zu, auch hier sind sich die Kirchen nicht alle einig wie sie damit umgehen sollen. Während einige Kirchen einladen in ihren Räumen "trick or treat" zu machen, laden andere zum Basteln und Spielen ein um eine Alternative anzubieten.

Ich habe mir auch Gedanken gemacht, allerdings bin ich zu dem Schluss gekommen das ich keine Angst vor der Dunkelheit haben muss, ich habe das Licht in mir.


Da es bei uns gerade sehr schnell kalt geworden ist, müssen wir unser Haus winterfest machen. Was für uns was neues ist, in Deutschland hatten wir kein Haus. Unser Vermieter kümmert sich hier in der Regel um alles. Rasenmähen, Büsche schneiden, Sprinkler winterfest machen, nur eines nicht: Laub kehren. Das machen wir jetzt solange bis keine Blätter mehr auf den Bäumen sind.

Andere Länder, anderes Essen. Ich habe für mich vorgenommen die amerikanische Küche kennen zu lernen. Erster Schritt: Apple Pie. Nach ein bisschen rumprobieren habe ich eins gefunden das von der Familie angenommen wurde.


Die Kinder entwickeln ein echt lustiges Englisch. Wir hören Sätze wie:


"Mama, das ist echt cold."

"Daddy, kannst du mir help."

"Mama, ist heute school?"


Wir fühlen uns sehr wohl hier, obwohl das Leben hier sehr anders ist. Wir gehen hier, im Vergleich zu unserer alten Landeskirchlichen Gemeinschaft, in eine Mega Church und obwohl ich mit einer großen Anonymität gerechnet hatte, ist das nicht der Fall. Unsere große Tochter sagte zu mir: "Mama, ich freue mich die ganze Woche auf den Sonntag." Die amerikanische Freundlichkeit macht es einem leicht anzukommen.


Liebe Grüße und danke fürs Lesen.






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