Alltag in Zeiten des Corona II

Die Woche fängt sehr entspannt an. Zumindest was die Schule angeht. Wir haben eine Routine für den akademischen Teil gefunden. Wir haben noch den Tipp für eine deutsche Internetseite bekommen, das erleichtert das Deutsch lernen sehr.

Zu dem habe ich noch entschieden, die Zeit mit den Dingen zu füllen, die in der Regel zu kurz kommen. Deshalb kommt Haushalt mit auf den Schulplan, die Kinder lernen kochen und mit scharfen Messer und dem Gasherd umzugehen.

Meine Tochter kommt und fragt ob sie kochen lernen darf. Sie darf. Sie arbeitet konzentriert und ist am Ende zufrieden mit dem Ergebnis. Auf meine Frage was sie motiviert sagt sie: "Ich will auch mal einen eigenen Haushalt führen können." Ich sehe sie schon morgen ausziehen ;) Mich freut die Motivation und Freude Lernen zu wollen.

Wir spielen so viele Brettspiele wie schon lange nicht mehr, nach einer Weile müssen wir neue kaufen, wenn jemand Empfehlungen hat, immer her damit. Wir spielen im Moment am liebsten Zug um Zug - bei mir kommt das unter Erdkundeunterricht ;) und Qwirkle, fördert das logische Denken.

Die Sonne kommt raus und es wird endlich wärmer, das heißt wir können Fahrrad fahren und Draußen spielen. Ich stelle mir einen Stuhl vor die Türe und genieße das warme Wetter. Eines der Bücher die mir am meisten helfen beim Heimunterricht ist das hier, leider nur auf Englisch. Ein anderes Buch das ich hilfreich für den Alltag mit kleinen Kindern fand, ist das hier, beide sind von der selben Autorin.

Die wirtschaftliche Situation in den USA steht Kopf. Innerhalb von den letzten drei Wochen ist die Arbeitslosenzahl in den USA auf 16. Millionen Menschen angestiegen, das ist fast jeder 20. Amerikaner. Diese Zahlen wirken auch in der Firma meines Mannes ein und fordern ihn heraus. Die Wochen sind herausfordernd und wir wissen nicht wie es ausgehen wird. Mein Mann ist jedoch optimistisch und motiviert.

Die schönste Nachricht kommt am Ende der letzten Woche. Unser Nachbar, der mit Covid-19 diagnostiziert wurde, wird aus dem Krankenhaus entlassen. Sein Lächeln ist durch die Gesichtsmaske zu sehen, mit wackeligen Beinen winkt er uns zu und sagt, alles ist gut. Wir sind erleichtert. Dankbar.

Diese letzte Woche hat ein Freund von den Kindern Geburtstag. Wir backen einen Kuchen, bringen ihn vorbei wir gratulieren ganz brav, mit 3 Meter Abstand.

Uns geht es gut hier. Wir werden immer wieder gefragt ob wir nicht zurück nach Deutschland kommen wollen, da die Covidsituation hier in den USA anders gehandhabt wird als in Deutschland. Wir haben für uns entschieden die Zeit in den USA zu verbringen, wir halten und an die vorgeschriebenen Regeln und bleiben optimistisch.

Eine Sache die mir persönlich trotzdem sehr schwer gefallen ist, ist das Einkaufen gehen. Hier kann es durchaus vorkommen, dass man Menschen im Laden trifft die keinen Mundschutz tragen, keinen Abstand einhalten und die Meinung vertreten, dass mit dem Virus furchtbar übertrieben wird. Als ich das erste mal einkaufen gegangen bin, war ich am Ende emotional total erschöpft. Mit Maske einkaufen, Abstand halten und schauen das man sowenig wie möglich anfasst ist für mich anstrengender gewesen als ich es mir vorgestellt habe.

Meine Freundin schreibt mir aus Südamerika: sie hat nach ihrem ersten Einkauf, zwei Tage gebraucht um wieder Erde unter den Füßen zu spüren. Sie gibt mir ein Rezept zum desinfizieren der Einkäufe und sagt zu mir ich soll mit mir selber gnädig sein.

Beim nächsten mal bin ich besser vorbereitet. Die einzelne Läden lassen nur noch eine bestimmte Anzahl von Menschen in den Laden, ich muss draussen anstehen, im Regen und es ist okay. Die Dinge ändern sich. Das gehört jetzt dazu. Ich gewöhne mich an die Maske und freue mich auf meine Freundin. Wir haben uns verabredet, nach drei Wochen sehen wir uns wieder, zum Einkaufen.

Eine gute Beschäftigung, die man über die Tage verteilen kann, Fenster bemalen. Hier malen die großen mit normaler Fingerfarbe für die kleinen reicht es auch die Farbe selbst anzurühren, geht ganz schnell mit dem Rezept.

Wir mussten wie viele andere unsere Osterfeiertagspläne über den Haufen schmeißen und haben umplanen müssen. Das mit dem Eierfärben hat geklappt. Gestern haben wir spontan noch ein improvisiertes Passahfest gefeiert. Wie das zustande kam, beschreibe ich im nächsten Post.

Trotz unserer gefundenen Routine, den online Gottesdiensten, zoom Unterricht, funktionierenden Homeofficetagen und schönen Sonnentage, kämpfe ich immer wieder mit Angst und Unsicherheit.

Ich schaue einmal am Tag die Pressekonferenz aus dem Weisen Haus an und die aktuellen Zahlen der Coronafälle ebenso, die Nachrichten gar nicht mehr, das hat geholfen. Ausserdem hängt in meiner Küche hängt ein gelber Post-it mit einem kurzen Satz: Hab keine Angst! In der Bibel ist das nicht als eine Möglichkeit geschrieben, sondern als Befehl mit Ausrufezeichen.

So nehme ich das auch an und merke es ist wie ein Muskel den ich trainiere, umso öfter wie ich Angst und Unsicherheit keinen Platz gebe, umso seltener kommt sie auf.

Mir gefällt der Blick auf die Vögel, die wir immer mehr bei uns im Garten haben. In der Bibel sagt Jesus: Schau dir die Vögel an, die machen sich keine Gedanken um morgen und Gott kümmert sich um sie. Mit diesem Bild im Kopf bin ich durch die letzten Wochen gegangen.

(Foto: Lilli Gebhard)

Dieses Lied, ist so 2000er, das geht gar nicht anders, aber das lief bei mir immer wieder die letzten Wochen, die E-Gitarre habe ich einfach überhört ;)


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